Mario Behling's blog

Reinhard Schlagintweit über seine Liebe zu Afghanistan, Fehler gegenüber den Taliban und den Einsatz deutscher Soldaten

Saghar Chopan im Gespräch mit Reinhard Schlagintweit. Bereits 1958 war er in Kabul an der Botschaft tätig: Ein Interview über sein Leben als Botschaftsangestellter und seine Reise als Vorsitzender von UNICEF nach Afghanistan kurz nach der Eroberung durch die Taliban. Weitere Themen sind die Sicherheitslage im Land und mögliche Fehler der Vergangenheit gegenüber dem Talibanregime. Zum Einsatz von deutschen Soldaten insbesondere im Süden hat Schlagintweit eine gespaltene Meinung: „... auf der einen Seite ... dürfen wir nicht sagen für diese schwierigen Aufgaben sind wir uns zu gut. Auf der anderen Seite an einer Aktion mitzuwirken, wo wir nicht die politischen Bedingungen selbst ... gestalten können ... ist zuviel verlangt.

Ajmal Naqshbandi ermordet

Ich hatte es gerade in den Nachrichten gehört, als Björn (www.inyas-blog.eu) es mir ebenfalls mitteilte.

Der letzten Monat zusammen mit dem italienischen Reporter Daniele Mastrogiacomo entführte Journalist Ajmal Naqshbandi wurde von den Taliban umgebracht. Am Montag Abend fand eine Gedenkveranstaltung bei NAI (http://nai.org.af) statt.

BBC: The Taleban say they have killed an Afghan reporter abducted last month with an Italian journalist.
http://news.bbc.co.uk/go/em/fr/-/1/hi/world/south_asia/6537097.stm

Meine Unterkunft in Kabul

Auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt gibt es viele bewaffnete Kräfte. Es sind etwa 15 Grad und es ist trocken. Der berüchtigte Kabuler Staub wirbelt bereits kräftig durch die Straßen. Vor dem Goethe-Institut passieren wir drei Sicherheitsbarrieren. Hier im Institut werde ich auch wohnen.

Es ist ein zweistöckiges Gebäude. Früher war es einmal die Botschaft der DDR. Gegenüber ist das Außenministerium und die chinesische Botschaft (ganz so wie in Berlin, wo ich auch gegenüber der chinesischen Botschaft gewohnt habe). Hinter dem Institut ist der Geheimdienst (die mit den abgedunkelten Vans ohne Nummernschilder) und ein Stück weiter die Kabuler Residenz von dem Warlord Dostum. Dort finden ab und zu Parties statt, die vor allem im Sommer verhindern sollen, dass man zu früh einschläft.
 

Vater des entführten Ajmal Naqshbandi sagt "Mein Sohn ist ein Journalist, nicht nur ein Übersetzer" und bittet um Freilassung

Soeben erhielt ich eine Email mit der Info, dass der Vater des zusammen mit dem bereits frei gelassenen Italiener Daniele Mastrogiacomo entführten Ajmals Naqshbandi NAI (http://nai.org.af) einen Brief überreichte. Darin fordert er, dass sein Sohn als Journalist bezeichnet wird. Hintergrund ist sicherlich, der Versuch die Aufmerksamkeit stärker auf seinen Sohn zu lenken und die verschiedenen Seiten dazu zu bringen, sich verstärkt, um das Freikommen des Afghanen zu bemühen. Viele Studenten mit denen ich über das Thema sprach, äußerten ihr Unverständnis über die Vorgänge. "Warum wurde der Ausländer frei gelassen und der Afghane nicht?" und "Warum musste ein Afghane sterben?", fragen sie.

Ajmal Naqshbandi wurde vor mehr als zwei Wochen zusammen mit dem italienischen Journalisten Daniele Mastrogiacomo von den Taliban entführt. Der Italiener kam aufgrund eines Deals mit den Entführern frei. Fünf hochrangige inhaftierte Taliban wurden auf freien Fuß gesetzt. Im Gegenzug wurde Mastrogiacomo frei gelassen.

Dubai – Kabul

5.30 Uhr ziehe ich aus dem „Dreamland Hotel“ in Dubai aus. Am Flughafen treffe ich Jeff wieder. „Did you sleep well?“ „Oh my god! This Iranian lady last night!“, antwortet er. Offensichtlich hat er in der letzten Nacht nicht geschlafen. Wir checken in. Etwas verwirrend hier. Ein älterer Afghane in traditioneller Kleidung findet sich auch nicht zurecht. „Hey Dude back there is the end!“, weist Jeff ihn zurecht.

Der Flug nach Kabul mit Kam Air: Neben mir sitzt John aus Südafrika. Er arbeitet als Leibwächter für den japanischen Botschafter. Auf den Stühlen weiter rechts sitzt ein Afghane. Wir haben zwei Stewards und zwei Stewardess ohne Kopftuch. Eine der Flugbegleiterinnen ist Türkin. Sie hat das offensichtlich alles im Griff hier. Die Maschine ist etwa zu 2/3 besetzt. Stundenlang sehe ich nichts als Berge - graue, braune und schneebedeckte Berge Afghanistans soweit das Auge reicht.

Richtung Kabul – Berlin, Frankfurt, einen Tag in Dubai und eine Nacht im Dreamland Hotel

Ein Jahr in Kabul. Ein kleine Odyssee – das Geld für den Flug geht vom Honorar ab, also suche ich mir die billigste Variante. Von Berlin geht es nach Frankfurt am Main für 28 Euro. Den Tag verbringe ich dort und nehme am Abend einen Flug nach Dubai für 198 Euro. Im besten Falle würde ich dort dann gleich noch einen Anschlussflug nach Kabul (für 220 US-Dollar) bekommen. Das klappt leider nicht. In Dubai sind 23 Grad und die Sonne scheint. Und Angela Merkel ist auch gerad’ zufällig hier, das steht in den Zeitungen im Presseshop.

Kabul / Teheran 1979 ff.

Kürzlich erschien das Buch „Kabul / Teheran 1979 ff.,“ von Sandra Schäfer, Madeleine Bernstorff und Jochen Becker. In dem Interview mit Saghar Chopan stellt Sandra Schäfer das Buch vor, das als eine Art Fortsetzung eines Filmfestivals entstand.

Direkter Link: http://video.google.de/videoplay?docid=-5794359148648408443

Mit zahlreichen Bildern und Beiträgen verschiedener Autoren werden die Veränderungen in Kabul und Teheran nach der iranischen Revolution 1979 nachvollzogen und gezeigt wie sich der Wandel im Medium Film präsentiert. Im Hinlick bauf die Veränderungen in den Städten sind weitere Hauptthemen des Buches die Stadtentwicklung und Migration aus Afghanistan und im Iran.

Buch: Sandra Schäfer, Madeleine Bernstorff, Jochen Becker (Hg.): Kabul / Teheran 1979 ff., b_books, Berlin

Freie Kunstszene von Kabul

In Kabul konstituiert sich gegenwärtig eine junge freie Kunstszene. Felicia Herrschaft und Philipp von Leonhardi konnten einige Künstler dieser Szene kennen lernen und einen Teil ihres Schaffungsprozesse beobachten und miterleben. Folgend haben sie mit ihnen in Deutschland in der Nähe von Frankfurt am Main eine Ausstellung organisiert. Als nächstes veranstalten sie einen Workshop in Kabul und planen die Berichterstattung mit Afghanen von der Documenta in Kassel.

Direkter Link: http://video.google.de/videoplay?docid=-4444938612946786077

Poll

Syndicate content